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22.09.08 11:52 Alter: 9 yrs
Kategorie: Erklärungen
Von: Vorstand der Bistumsstelle Augsburg

Brief der pax christi Bistumsstelle Augsburg zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan


pax christi Bistumsstelle Augsburg

 

                                                                                                          4.08.08

 

 

Sehr geehrte /r Abgeordnete/r!

 

pax christi Augsburg schreibt heute an Sie als Abgeordnete/r des Deutschen Bundestages  für Schwaben wegen der im Herbst bevorstehenden neuen Mandatierung der deutschen Truppen in Afghanistan.

 

Die Argumente, die für diesen Einsatz, bzw. für eine Verlängerung angeführt werden, sind die gleichen, mit denen um 1965 der Vietnamkrieg begründet wurde: Kein Krieg, sondern Unterstützung einer befreundeten Regierung auf deren Bitte, Verteidigung erfolgreicher Aufbauarbeit, Verhinderung eines Domino-Effektes. Zehn Jahrespäter, nach 5 Millionen Toten allein in Vietnam, nach grauenhaften Kriegsverbrechen und einer Umweltzerstörung ohne gleichen,  musste man einsehen, dass man völlig vergebens Leid, Tod und Zerstörung über das Leben so vieler Menschen gebracht hatte.

 

Auch jüngere Beispiele zeigen sehr deutlich, dass ausländische Truppen einen Guerillakrieg anstacheln, aber nicht beenden können: der sowjetische Einmarsch in Afghanistan ( mit der doppelten Anzahl an Soldaten wie derzeit in Afghanistan ), der Krieg in Tschetschenien und schließlich der Einmarsch westlicher Truppen in den Irak, der das ganze Land in ein blutiges Chaos gestürzt hat, dessen Ende nicht absehbar ist.

 

Der Isaf-Einsatz in Afghanistan entwickelt sich in dieselbe Richtung. Außenminister Frank Steinmeier hat in diesen Tagen bestätigt, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert hat. Es gibt wie immer viele zivile Opfer; sie sind bei einem Guerillakrieg  unvermeidlich. Die vorgeschlagene Lösung ist stets die gleiche: Noch mehr Truppen. Aber mit der Ausweitung der Kämpfe wird es auch immer mehr Opfer geben und immer größere Teile der Zivilbevölkerung werden betroffen sein. Ihr Hass auf die ausländischen Soldaten wird zunehmen, und je härter die Kämpfe werden, desto mehr Kriegsverbrechen werden geschehen. All dies hat eine innere Logik und ist nicht neu.

 

Die einzige Alternative zu diesem Weg in die Hölle ist, dass wir uns nicht an den Kämpfen beteiligen. Die Mütter und Väter der Grundgesetzes waren nach der Erfahrung der Zweiten Weltkrieges aus guten Gründen weise genug gewesen, Kampfeinsätze deutscher Soldaten auf die unmittelbare Landesverteidigung zu beschränken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So fordern wir die Rückkehr zur Politik und nicht den planlosen re-aktiven Ausbau von immer mehr Militär, sondern einen breiten Dialog aller Konfliktparteien.

Wir bitten Sie einer Verlängerung  des Afghanistan - Einsatzes der Bundeswehr Ihre Zustimmung zu verweigern und ein Ausstiegsszenario mitzuentwickeln.

 

Ihre Entscheidung ist von öffentlichem Interesse, so bitten wir um eine persönliche und schriftliche Antwort, wie Sie sich bei dieser Frage verhalten werden. Da wir Ihre  Position dokumentieren und öffentlich machen möchten, bitten wir freundlich  um eine Rückantwort bis  20. August. Vielen Dank.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Für die Bistumsstelle

 

 

Gez.                                        Gez.                            Gez.                              Gez.

Prof. Jost Eschenburg              Barbara Emrich            Siegfried Fackler      Chr.Artner-Schedler ( (Sprecher )                                   ( Sprecherin )               (Geistl. Beirat )   (Friedensreferent)