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09.12.08 13:18 Alter: 9 yrs
Kategorie: Texte
Von: Marianne Held

Besuch der Moschee in Penzberg am 15. 11. 08

Bei unserer diesjährigen Diözesanversammlung lernten wir Imam Idriz aus Penzberg kennen. Seine aufgeschlossene Art und seine Berichte über die Arbeit des Islamischen Forums machten uns neugierig auf die Penzberger Moschee.


An einem wunderschönen Spätherbsttag fuhren – ermöglicht durch Christians gute Planungsarbeit – 20 Pax-Christi-Mitglieder aus Augsburg und anderen Orten in mehreren Fahrgemeinschaften nach Penzberg. Bewundernswert pünktlich hatten sich bis 14.30 Uhr alle eingefunden. Wir wurden von Frau Gönül Yerli begrüßt, die uns zunächst in den Innenraum der Moschee führte. Sie ist Religionspädagogin und Vizedirektorin des Islamischen Forums. In perfektem Deutsch gab sie uns mit Hilfe von Bildtafeln und Modellen eine Einführung in die Bedeutung einer Moschee Sie informierte auch über die Entstehungsgeschichte und erzählte, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, bis dieser Bau die bisherigen Hinterhofmoscheen ablösen konnte.

Als man einem türkischstämmigen Architekten aus Augsburg die Aufgabe zum Entwurf eines modernen Moscheebaus gab, kam er angeblich nach wenigen Tagen mit einem Schuhkarton und einer Rolle Küchenpapier und sagte: “Das wird die Moschee“. Natürlich nahmen die Vorschläge weiter Gestalt an, doch im Prinzip ist dieser „Erstentwurf“ immer noch zu erkennen.

Wir waren beeindruckt von dem rechteckigen Raum, der blauen Glasfront und der filigranen Gebetsnische. Der blaue Teppich aus abwechselnd hellen und dunklen breiten Streifen gibt den Gläubigen an, wie sie sich zum Gebet aufstellen müssen.

Auf der rechten Seite ist eine Treppe, von deren oberster Stufe der Imam seine Ansprachen hält. So kann er auch von den Frauen gesehen und gehört werden, die nach wie vor ihren Platz auf der Frauenempore haben – ein Thema, das an diesem Tag nicht vertieft worden ist.

Wir erfuhren, dass in der Moschee auch Vorträge und Seminare stattfinden und dass darin auch fröhlich gefeiert und sogar getanzt werden darf. Auch Jugendgruppen konnten dort schon übernachten. Sie ist also kein reiner Gebets- sondern ein Mehrzweckraum.

Im Untergeschoss des Islamischen Zentrums gibt es einen großen Versammlungsraum, in dem gerade eine Gruppe kleiner Mädchen einen Tanz einübte, der auf einem Stadtfest vorgeführt werden soll. Wir kamen zu unserer Freude in den Genuss der Generalprobe. Nebenan sind zwei Unterrichtsräume, in denen Religions- und Sprachunterricht stattfinden. Während des Sprachunterrichts für die Frauen werden die kleinen Kinder betreut.

Das Erlernen der Deutschen Sprache ist für die Moscheegemeinde sehr wichtig, denn ihre Mitglieder kommen aus vielen verschiedenen Ländern , so dass Deutsch für sie die einzige gemeinsame Sprache ist. Angestrebt wird, es in einigen Jahren auch als Gottesdienstsprache einzuführen. Zur Zeit wird einmal monatlich die Predigt auf Deutsch gehalten. Arabisch ist daneben noch für den Koranunterricht unerlässlich. Angeblich ist es kaum möglich, den Koran korrekt in eine moderne westliche Sprache zu übersetzen.

Wir bekamen am Ende noch die wohlgeordnete und reichbestückte Bibliothek zu sehen, die sich aber offenbar noch nicht des erhofften Zuspruchs erfreut.


Zum Abschluss der Führung wurden wir in einem gemütlichen Clubraum mit Tee und Gebäck bewirtet, während uns der katholische Stadtpfarrer, der sich schon in der Moschee zu uns gesellt hatte, über die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit mit den Muslimen berichtete. Der Pfarrer und die katholische Pfarrgemeinde gehörten zu den entschiedenen Befürwortern des Baus der Moschee und eines islamischen Zentrums, in dem ein moderner europäischer Islam gefördert werden soll. Auch der aus Bosnien stammende Imam Idriz kam kurz dazu, und man konnte nicht übersehen, dass zwischen den beiden Geistlichen ein gutes kollegiales Verhältnis besteht.

Für alle Teilnehmer war dieser Besuch ein Gewinn. Unser herzlicher Dank gilt vor allem Frau Gönül Yerli.