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< Gaza: Der böse, böse Nachbar
13.01.09 23:47 Alter: 9 yrs
Kategorie: Erklärungen

Rede von Jost Eschenburg bei der Kundgebung zum Gaza-Konflikt

Unter dem Motto: Nein zum Krieg! Stoppt die Massaker in Palästina! riefen verschiedene Organisationen aus Augsburg zu einer Kundgebung am 9. Januar 2009 auf. Jost Eschenburg sprach für pax christi Augsburg.


 

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

 

Wir kommen heute hier zusammen, um unserer Empörung und Trauer Ausdruck zu geben über den staatlich angeordneten Massenmord, genannt Krieg.

Die israelische Regierung rühmt sich, dass sie rechtzeitig vorgedacht und diesen Krieg während des halbjährigen Waffenstillstandes mit der Hamas minutiös geplant hat – so etwas nennen unsere Politiker einen Verteidigungskrieg. Es hat nicht ausgereicht, dass man die 1 1/2 Millionen Menschen im Gazastreifen vom Land, vom Wasser und von der Luft her von der Außenwelt abgeschnitten hat. Menschen, die man hungern und frieren lässt, werden dadurch nicht unbedingt friedlicher. Jetzt muss man also noch die letzten Reste von staatlicher Ordnung und Infrastruktur zerstören, alles, was die Kriege von 2001 und 2006 noch übrig gelassen haben, Leben und Gesundheit von Tausenden zertreten und die übrigen in bitterste Armut und Not stürzen. Es ist der alte Kreislauf von Gewalt und Unterdrückung.

 

Man kann immer so weiter machen. Die Hölle - das sind die anderen – falsch! Die Hölle, das sind wir selbst. Ich möchte, dass wir unsere Wut und Trauer in Stärke für einen lang andauernden Kampf umwandeln. Es ist unsere Aufgabe, hier in Deutschland für eine andere Politik zu kämpfen! Unsere Bundesregierung unterstützt ja diesen Wahnsinn, und sie weiß warum.

 

Der Krieg gegen die Hamas ist Teil des Krieges gegen den Terror. Es geht den westlichen Regierungen keineswegs darum, den Kreislauf der Gewalt zu unterbrechen – oh nein. Es geht darum in diesem Krieg stets die Oberhand zu behalten! Dies ist nicht unser Weg. Wir fordern eine Politik, die nicht nach Freund oder Feind unterscheidet, sondern nach Recht oder Unrecht. Das angebliche Streben nach Sicherheit Israels hat seit Jahrzehnten zu einer immer größerer Unterdrückung und Einschränkung für die Palästinenser geführt und immer mehr Menschenopfer gefordert. Der Starke setzt seine Interessen ohne Rücksicht auf die Interessen des Schwächeren durch. Wenn dieser sich dagegen wehrt, wird die Unterdrückung noch weiter verschärft.

 

Deshalb lautet unsere wichtigste Forderung an unsere Regierung: Gleiche Wertung und Berücksichtigung der Interessen beider Völker: Gleiche Sicherheit, gleiche Selbstbestimmung, gleiche Freizügigkeit, gleicher Schutz von Leben, Gesundheit und Eigentums. Weitere Forderungen ergeben sich daraus, z.B. Aufhebung von Blockade und Besatzung und keine Stärkung einer Konfliktpartei, die diese Grundsätze ablehnt.

 

Wir fordern eine andere Nahostpolitik", das soll Thema einer breit angelegten Unterschriftenaktion an unsere Regierung sein; wir bitten dafür um Eure Unterstützung. Es scheint wenig angesichts der Tragödie, aber es ein Beitrag, den wir leisten können, um endlich eine Wende einzuleiten.

 

Worum es wirklich geht, das hat vor zwei Jahrtausenden ein jüdischer Rabbi in einem Satz ausgedrückt:

Alles was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch.” (Mt.7,12)

 

Das ist der einzige Weg aus der gemeinsamen Hölle. Wir werden den Rest unseres Lebens brauchen, um dafür zu kämpfen.

 

Vielen Dank.

 

Jost Eschenburg

(Sprecher pax christi Augsburg, Kundgebung 09.01.09)