Startseite ::
< Münchner Friedenskonferenz - Kein Frieden mit der Nato
15.12.11 08:07 Alter: 6 yrs
Kategorie: Texte, Spirituelles

Friedliche Revolution und Einheit Deutschlands – Anstiftung zum Weitergehen

Vortrag von Christian Führer (ehem. Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig) 22. Oktober 2011, 19.30 Uhr, Alter Rathaussaal Lindau


Von entscheidender Bedeutung für den einzelnen Menschen wie für ein ganzes Volk ist das Gedächtnis.

Nichts macht den Menschen und seine Persönlichkeit mehr zunichte, als wenn er das Gedächtnis verliert.

Nichts macht ein Volk substanzloser und manipulierbarer, als wenn es das Gedächtnis vernachlässigt, missachtet, verdrängt und schließlich ganz verliert.

Da wird die Gegenwart zum Zufall und die Zukunft zum Ernstfall. „Zukunft braucht Herkunft“ (Odo Marquard).

Darum richten wir von Jahr zu Jahr erneut unser Gedächtnis auf die Friedliche Revolution mit dem Kerndatum 9. Oktober 1989, dem Tag der Entscheidung in Leipzig, der vier Wochen später zur gewaltlosen Überwindung der Berliner Mauer am 9. November und ein Jahr später zur Vereinigung der beiden Teile Deutschlands führte.

 

Mit Revolutionen im allgemeinen und der Einheit im besonderen hatten wir nie Glück oder schon immer unsere Probleme. Die Revolutionen von 1848 und 1918 haben eine Blutspur hinterlassen und erreichten nicht die proklamierten Ziele. An anderen dringlichen Stellen haben sie erst gar nicht stattgefunden. Bezüglich des Willens zur Einheit kann J.W. von Goethe befragt werden, der feststellte: „Den Deutschen ist nichts daran gelegen, zusammen zu bleiben, aber doch, für sich zu bleiben. Jeder, sei er auch, welcher er wolle, hat so ein eigenes ‚Für sich’, das er sich nicht gern möchte nehmen lassen.“ Hat er auch dann noch recht, wenn er sagte: „Mir ist nicht bange, dass Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige tun.“ Um, daran anschließend, zu fordern, dass sein „Reisekoffer durch alle 36 (deutschen) Staaten ungeöffnet passieren könne“ und sein Weimarischer Reisepass „nicht für unzulänglich gehalten werde, als der Pass eines Ausländers“.

36 deutsche Kleinstaaten – da waren ja die zwei deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg schon fast ein Glücksfall!

36 deutsche Kleinstaaten – und schließlich doch ein Deutsches Reich? Nicht auf parlamentarischem, auf Vernunft, Religion, Wissenschaft, Kunst, Moral oder irgendeinem Wert sich gründenden Weg, sondern durch Krieg zustande gekommen. Wobei sich vor Beginn des Krieges Bayern noch nicht eindeutig klar war, ob es mit Frankreich gegen

Preußen oder mit Preußen gegen Frankreich kämpfen wollte. Letzteres geschah. Die Einheit kam. 1871 aus Krieg entstanden. 1945 durch Krieg vertan. Wobei schon Marx und Engels bemängelten, dass 1871 nur ein „Kleindeutschland“, d. h. ohne Österreich, herausgekommen sei. Später hatten wir ja dann dank eines österreichischen Kleinbürgers 12 Jahre lang ein „Großdeutschland“. Aber das war es ja auch nicht, was bleiben konnte. Der Fall war so furchtbar, wie verdient.

Zwei deutsche Staaten waren die Folge, BRD und DDR, eingebunden in die beiden Machtblöcke NATO und Warschauer Pakt, die sich unversöhnlich gegenüberstanden. Jeder Versuch einer Lockerung der Verhältnisse wurde im sozialistischen Machtbereich blutig niedergeschlagen: 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und Polen, 1968 in Prag, 1970 in Danzig, am 4. Juni 1989 in Peking.

Die innerdeutsche Grenze wurde mit Minen, Stacheldraht und Selbstschussanlagen gewissermaßen zur Hauptkampflinie des Kalten Krieges. Als mit dem Mauerbau 1961 in Berlin die letzte Lücke zubetoniert war, hatten die sozialistischen Planer der Ewigkeit die Teilung Deutschlands scheinbar endgültig zementiert.

 

Aber nicht nur der äußere Zustand des Landes verengte sich dramatisch.

 

Die Folgen der realsozialistischen Weltanschauungsdiktatur auf die Bevölkerung waren noch verheerender. Der Druck der atheistischen Weltanschauungsdiktatur reichte herunter bis in die sozialistischen Kindergärten. Die Devise war: alle in die Pioniere, alle zur Jugendweihe, alle in die FDJ, alle zur Wahl, bei der ich immer die Befürchtung hatte, wir würden eines Tages noch über 100% kommen.

 

Der weitaus größere Teil der Bevölkerung beugte sich diesem Druck und bekam Haltungsschäden. So waren christliche Kinder und Jugendliche oft die Einzigen, die nicht bei den Pionieren und in der FDJ waren und nicht zur Jugendweihe gingen. Und christliche Erwachsene gehörten zu den Wenigen, die nicht zur Wahl gingen oder die Wahlzettel in der Kabine ungültig machten. So wurden die Christen täglich herausgefordert zum Denken und Entscheiden und zu einem eigenen Weg. Sie sind den beiden bequemsten Lebensregeln nicht gefolgt, die da heißen: „Es machen alle so“ und „es war schon immer so“.

 

Letztendlich waren die 40 Jahre DDR ein vierzigjähriges Trainingslager für den Glauben. Denn „Zeiten, in denen es Kirchen gut geht, sind nicht die besten Zeiten für Christen...“ (Altbischof D. Albrecht Schönherr).Wir sind an den Widerständen gewachsen und haben neue Wege gefunden, auf die wir in „sicheren Zeiten“ in privilegierter, satter Position nie gekommen wären.

 

Gesagt werden muss auch, dass unser Weg immer mit Angst verbunden war! In den achtziger Jahren hatte ich beinahe Tag und Nacht Angst. Aber der Glaube war immer ein Stück größer als die Angst! Und so konnten von den Frauen und Männern des Kirchenvorstandes mit dem Superintendenten und mir die wichtigen Entscheidungen mit weitreichenden Folgen getroffen werden.

Man muss sich das alles vor Augen halten, um zu würdigen, was dann geschah!

 

Es waren nicht unsere guten Chausseen und Eisenbahnen, die einen unvorhergesehenen und unerwarteten Prozess in Gang setzten!

Sondern ein winziges Senfkorn, dem GOTT die Kraft gab, die Mauer in den Köpfen und die in Berlin zu durchwachsen und zu überwinden: die Friedensgebete!

Die Friedensgebete für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung!

Sie waren das Rückgrat der Friedlichen Revolution, aus denen sich die Demonstrationen entwickelten.

 

Wie fing er an, der Weg der Verheißung in der Nikolaikirche?

Mit 10 Friedensgebeten vom 8.-18. November 1981, mit denen ich der Protestbewegung evangelischer Jugendlicher in Ost und West, der Friedensdekade, auch in Leipzig Raum und Gehör verschaffte, die Möglichkeit, etwas zu tun für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung. Den Abschluss bildete der „Bittgottesdienst für den Frieden“ am Bußtagabend zusammen mit dem Stadtjugendpfarrer. Anschließend fand eine beeindruckende Kreuz- und Kerzenmeditation im Altarraum mit etwa 130 unangepassten Jugendlichen statt, die vom Staat als „Elemente“ bezeichnet wurden. Dieser Abend vermittelte den Jugendlichen die Kirche als Ort der Befreiung, in dem das, was gedacht wurde, auch gesagt werden konnte, in dem die Tabuthemen diskutiert werden und der Frust über die allgegenwärtige staatliche Bevormundung herausgelassen werden konnte. So wurde die Nikolaikirche 1981 für die Basis- und Protestgruppen geöffnet unter dem Motto „Nikolaikirche – offen für alle!“

 

Die Anregung einer Jungen-Gemeinde-Gruppe wurde umgesetzt: „Jede Woche Friedensgebet!“ So gibt es seit dem 20. September 1982 jede Woche Friedensgebet in der Nikolaikirche, ohne Unterbrechung bis heute! Immer am gleichen Ort, im Herzen der Großstadt.

Und Veranstaltungen der ungewöhnlichen Art gab es... („Wutanfall“)

Wir hatten übrigens eine kostensparende und sehr effektive Art Werbung für solche Abende wie mit Wutanfall. Plakate drucken durften wir ohnehin nicht. So hatte ich einigen Jugendlichen gesagt: „In drei Wochen spielt „Wutanfall“ in der Kirche, sagt’s niemandem weiter.“ Die Wirkung war enorm.

 

Und eine Vision wurde DDR-weit bekannt: „Schwerter zu Pflugscharen“. Die Propheten Jesaja (2,4) und Micha (4,3) hatten sie rund 700 Jahre v. Chr. formuliert: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen... und werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Dieses Bibelwort hatte die atheistische Sowjetunion so beeindruckt, dass sie ihrem berühmtesten Bildhauer, Jewgenij Wutschetitsch, den Auftrag gab, dieses Wort in einer Skulptur festzuhalten. Sie schenkten diese Skulptur der UNO, wo sie heute noch steht. Eine Abbildung dieses Mannes, der das Schwert umschmiedet, wurde 1982 als Lesezeichen zur Friedensdekade ausgegeben. Die Jugendlichen nähten es sich lieber auf die Jacken oder klebten es auf Schultaschen und Beutel. Eine riesige Polizeiaktion begann daraufhin, um diese Zeichen zu entfernen. Offenbar waren die Polizisten nicht über die Herkunft informiert worden. Denn zur Jugendweihe wurde genau dieses Motiv „Schwerter zu Pflugscharen. Sowjetisches Denkmal“ auf Hochglanzpapier im Buch von den Damen und Herren Direktorinnen und Direktoren überreicht. Draußen rissen es die Polizisten ab – drinnen wurde es zur Jugendweihe feierlich überreicht: da lief etwas total durcheinander. Aber einen Vorteil hatte es: Vom untersten Streifenpolizisten bis zum obersten General hatte die Deutsche Volkspolizei ein Bibelwort eindrücklich gelernt: „Schwerter zu Pflugscharen“. GOTT hat Humor.

 

1986 gründete ich den Gesprächskreis „Hoffnung für Ausreisewillige“, um deren Depression und Ausweglosigkeit abzufangen und sie zu neuer Hoffnung zu motivieren, was auch gelang!

 

Auf der vom Staat im Januar 1988 in Berlin veranstalteten Demonstration zum Gedenken an die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs wurden Jugendliche verhaftet, weil sie das Wort Rosa Luxemburgs „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ auf einem Plakat trugen. In Leipzig kamen daraufhin etwa 100 Jugendliche in die Nikolaikirche und forderten: Täglich Fürbittandachten für die Berliner Verhafteten!

Die Frauen und Männer des Kirchenvorstandes stimmten dem zu: Täglich Fürbittandachten, wenn möglich auf die Stadt verteilt. Ein ungeheuer mutiger Schritt in dieser spannungsgeladenen Zeit! Die Teilnehmerzahlen der Friedensgebete verzehnfachten sich...

Dass wir dadurch ins zentrale Fadenkreuz der DDR-Observierung und in immer größere Gefahr gerieten, war gewissermaßen unumgänglich.

Der Bibel verdanke ich, dass ich mit Wundern groß geworden bin. So begriff ich, dass mehr möglich ist, als möglich ist. „Was würde JESUS dazu sagen“ war mein Entscheidungs-kriterium. Nicht, wie es mir dabei ergeht, was ich davon habe oder was der Staat davon hält.

 

Manche nennen das Mut. Für mich trifft das nicht zu. Bei mir kann ich es nur Glauben nennen, Entscheidungen zu treffen im Vertrauen auf JESUS, ohne den Ausgang oder gar Erfolg absehen zu können. Vertrauen bzw. Glauben und Glaubwürdigkeit heißen die entscheidenden Faktoren unseres Handelns, plus Phantasie und Humor. Ist das wirklich umsetzbar in knallharter politischer Realität?

 

Es war am 19. Februar 1988 in der Leipziger Nikolaikirche. Ich hatte etwa 50 Ausreisewillige zum Gesprächsabend „Leben und Bleiben in der DDR“ eingeladen. Die Reaktion der staatlichen Stellen im Vorfeld war heftig. Am Abend des 19. Februars wusste ich, warum: statt der 50 Eingeladenen waren etwa 600 Menschen gekommen.

Der Abend begann unter großer Anspannung. Weggehen oder Hierbleiben: das muss genau überlegt sein. Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Angesichts des Anlasses

probierte ich eine neue  Art von „Auslegung“. Ich nahm nicht einen Bibeltext und sagte einige kluge Sätze dazu. Sondern ich wählte ein Bibelwort aus, das die Menschen sofort anpackte,

das sie unmittelbar auf sich beziehen konnten. JESUS hatte einmal zu SEINEN Freunden, die IHN umstanden, gesagt: „Wollt ihr auch weggehen?“ Diesen einen Satz nur zitierte ich und rief in die Kirche: „JESUS sagt: Wollt ihr auch weggehen?“ Es wurde mit einem Schlag totenstill in der Kirche. In den Menschen arbeitete es: Hier bist du geboren, zur Schule gegangen. Hier sind deine Eltern und Freunde. Und wenn du wirklich in den Westen kommst:

Kannst du jemals wieder zurück? Womöglich erst als Rentner? Was machen die in diesem Staat eigentlich mit dir? Die ganze Aussichtslosigkeit ihrer Situation trat ihnen deutlich vor Augen. Ich sagte: „So können wir jetzt nicht aus der Kirche nach Hause gehen. Sehen wir noch einmal in die Psalmen, da steht ein wichtiger Satz für Sie drin. Im Psalm 65 heißt es „GOTT, DU machst fröhlich was da lebet im Osten wie im Westen!““ Alle fingen an zu lachen. „Das haben Sie doch jetzt bestimmt erfunden“, rief jemand. „Nein“, sagte ich, „das

steht schon seit Jahrhunderten in der Bibel für Sie, nur Sie haben es noch nicht gefunden!“ Die Stimmung kippte im Handumdrehen ins Positive um.

Eine befreite, fröhliche Ausgelassenheit breitete sich in der Kirche aus. Alle redeten miteinander. Ich hatte Mühe, noch einen Segen in die Massen zu sprechen. Danach kamen 

etliche zu mir: „Herr Pfarrer, wir gehören zwar nicht zur Kirche, aber können wir trotzdem ihre Friedensgebete besuchen?“ „Draußen steht Nikolaikirche – offen für alle. Das gilt ausnahmslos. Sie sind uns herzlich willkommen“, erwiderte ich.

Die Menschen hatten erkannt, wie gut es tut, nicht alleine zu sein. Vor allem aber, auch einmal lächeln oder lachen zu können in der ganzen Misere. Der Humor ist ein wichtiger Bruder des Glaubens. Leider ist er in der Kirche noch nicht heilig gesprochen worden. In einer Situation dauernder Anspannung, Angst, Hoffnungslosigkeit und Wut kann ein Lächeln oder gar Lachen unwahrscheinlich befreiend sein.

Das Ende der DDR begann am 8. Mai 1989 in Leipzig: die Nikolaikirche wurde von jetzt an jeden Montag mit Polizei umstellt. Sie haben von jetzt an alles falsch gemacht.

-          Am 4. September 1989...

-          Der Tiefpunkt der Entwicklung am 7. Oktober...

 

So kam der 9. Oktober 1989 heran, der Tag der Entscheidung, in Leipzig.

Zwei Tage zuvor waren bereits Hunderte von Menschen auf Lastwagen gezerrt und in die zementierten Pferdeboxen auf dem Gelände der Landwirtschaftsausstellung gepfercht worden.

Der Auftakt sozusagen, jetzt endgültig Schluss zu machen, wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand. Aber es kam – ganz anders!

Das ungeheure Gewaltszenario der Abschreckung, der bürgerkriegsähnliche Zustand erreichten nicht ihr Ziel. Auch nicht die Entsendung hunderter SED-Genossen in die Nikolaikirche... (schon um 14.30 Uhr...)

 

Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Entscheidung, wurde die Nikolaikirche im Verbund mit den anderen Innenstadtkirchen zum Ausgangspunkt der Demonstrationen der 70.000 und damit zum Kernpunkt der Friedlichen Revolution überhaupt. Immer wieder hatte die Bergpredigt JESU eine zentrale Rolle gespielt. Immer wieder, so auch an diesem Tag, die Bitte: „Lasst die Gewaltlosigkeit nicht in der Kirche stecken, nehmt sie mit hinaus auf die Straßen und Plätze!“ Denn Beten und Handeln, drinnen und draußen, Altar und Straße gehören zusammen!

Was mich am meisten bis heute bewegt: Mit dem Ruf „Keine Gewalt!“ war die Bergpredigt JESU auf den Nenner gebracht! Aus dem Volk geboren, nicht von einem Pfarrer oder Bischof formuliert. Und sie haben nicht nur gedacht oder gerufen „Keine Gewalt!“, sondern haben die Gewaltlosigkeit konsequent auf der Straße praktiziert. Menschen, die in zwei unterschiedlichen atheistischen Weltanschauungsdiktaturen aufgewachsen waren. Bei den Nazis mit Rassenhass und Kriegsvorbereitungen. An die Stelle GOTTES war die „Vorsehung“ getreten. Bei den Realsozialisten mit Klassenkampf und Feindbild und atheistischer Propaganda: „Euren JESUS hat’s nie gegeben, und euer Gefasel von Gewaltlosigkeit ist gefährlicher Idealismus. In der Politik zählen Geld, Armee, Wirtschaft, Medien. Alls andere kannst du vergessen!“ Dass die so erzogenen Menschen im GEIST JESU der Gewaltlosigkeit draußen auf der Straße handelten – wenn je etwas das Wort „Wunder“ verdient, dann das. Ein Wunder biblischen Ausmaßes!

 

Als nach dem Friedensgebet alle aus der Kirche heraus waren, setzte sich die Menschenmenge langsam in Bewegung. Die Kinder hatten sie zu Hause gelassen, weil es lebensgefährlich war. Zwischen Angst und Hoffnung bewegte sich der Zug Meter um Meter vorwärts auf dem Ring.

„Wir sind das Volk!“ Ihr Polizisten, für wen steht ihr eigentlich hier? Für die paar Greise in Berlin - oder was?

Wo das Volk steht, brauchst du bei 70.000 niemandem zu erklären. Die Staatsmacht wart total überrascht und verunsichert. „Wir hatten alles geplant, wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Da hatten die Offiziere keinen Einsatzbefehl. Als der Zug der Menschen unangefochten den Innenstadtring passiert hatte und wieder am Ausgangspunkt angekommen war, herrschte eine ungeheure Erleichterung, dass nicht geschossen worden war. Keine zerstörte Schaufensterscheibe. Keine Sieger und Besiegten. Keiner verlor das Gesicht. Keiner büßte sein Leben ein.

 

Und die Kirche endlich einmal bei ihrem HERRN! Mit den Worten von Heinrich Albertz:

„Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der deutsche Protestantismus auf der richtigen Seite gestanden – bei den Unterdrückten und nicht bei den Unterdrückern, beim Volk und nicht bei den Mächtigen:“

So war geworden, was kaum zu fassen war.

Die unglaubliche Erfahrung der Macht der Gewaltlosigkeit, die die Partei- und Weltanschauungsdiktatur zum Einsturz brachte. Die erschütternde Bestätigung, dass alles wirklich wahr ist, was geschrieben steht:

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ (Jes. 79)

„ER stößt die Machthaber vom Thron und hebt die Niedrigen auf!“ (Luk. 152)

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch MEINEN GEIST geschehen.“ (Sach. 46)

„MEINE Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12a)

Man hielt den Atem an, in Deutschland West und Deutschland Ost, an vielen Orten Europas, in den Hauptstädten der Welt.

Eine Revolution, die aus der Kirche kam.?

Kirchen als Häuser der Hoffnung, als Refugium und Zellen des Aufbruchs – nicht als Dienstleistungsbetriebe zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse?

Die Bergpredigt JESU als tägliches Brot im politischen Alltag hoffnungsloser Situationen – nicht als Jenseitsethik? Einfach unglaublich.

 

Und die großen Rahmenbedingungen stimmten!

1975 hatte die Schlussakte der KSZE in Helsinki den Grundstein für mögliche Veränderungen in der Weltpolitik gelegt.

1980 Gründung der freien Gewerkschaft  Solidarność in Gdańsk. An der Spitze ein Elektriker, den bis dahin noch niemand kannte: Lech Wałesa. 10 Millionen Polen traten der Solidarność bei.

In der ČSSR gab es einen Schriftsteller, der nicht veröffentlichen durfte, Vaclav Havel. Charta 77. Wir hatten Verbindung zu beiden Bewegungen.

1985 kam Michail S. Gorbatschow und mit ihm ein Politikwechsel mit spürbaren Auswirkungen auch für die DDR. Auf die Anfrage des ZK der SED, ob man bei der Bekämpfung der „Konterrevolution“ mit sowjetischer, gegebenenfalls militärischer, Hilfe rechnen könne, ließ Gorbatschow wissen, dass sich die Sowjetunion nicht in die inneren Angelegenheiten der DDR einmischen würde. Ein klares Signal an Honecker: Sowjetische Panzer werden nicht wie 1953 zum Einsatz kommen. Ja, es war wirklich alles anders als 1953!

 

Atemberaubend ging es weiter.

Die Zahlen der Demonstranten verdoppelten sich an den Montagen nach dem 9. Oktober.

Folgerichtig der Rücktritt Honeckers am 18. Oktober und der Rücktritt des Politbüros im November.

In vielen Städten und Dörfern geschah in je eigener Weise Ähnliches wie in Leipzig. Das ganze Land zeigte mit Friedensgebeten und Demos Gesicht und wachte auf.

Die erste genehmigte Massendemonstration am 4. November in Berlin. Da musste niemand mehr befürchten, geschlagen oder „zugeführt“ zu werden. Da sprachen z. B. der Chefspion der DDR, Markus Wolf, Gregor Gysi und Egon Krenz, um die Entwicklung wieder in den Griff zu bekommen. Sie wurden, wie der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer sagt, vom Volk einfach weggelacht und weggepfiffen. So war es nur noch eine  Frage der Zeit, wann und wie die Mauer aufgehen würde.

 

Am 9. November geschah es. Wir hätten uns jedes andere Datum eher gewünscht, denn der

9. November ist besetzt:

1848 Erschießung Robert Blums und Ende der Revolution, 1918 erneut missglückte Revolution, 1923 Hitlers Putschversuch, 1925 Gründung der SS, 1938 Reichspogromnacht.

Da gibt es in Deutschland nichts zu feiern. Ausgerechnet dieser Tag ist es geworden!

Auch hätten wir uns gewünscht, dass wir nicht so in die Maueröffnung hineingestolpert wären.

Eher, dass die Basisgruppenleute sich in der Pressekonferenz das Mikrofon genommen und wie in Leipzig nach den Friedensgebeten skandiert hätten: „Loslaufen, loslaufen...“ . Stattdessen Herr Schabowski mit dem Zettel. Wir sehen ihn noch vor uns. Ich muss dabei an Apg. 8 denken: „Verstehst du auch, was du da liesest?“

Na ja, die Hauptsache war, dass es geschah. Die Mauer ist vom Osten her überwunden worden, nicht mit Panzern eingeschossen. Ohne Gewalt, wie es der 9. Oktober in Leipzig vorgegeben hatte.

Als am 9. November der 9. Oktober sein spektakulärstes, erstes Ziel erreichte, kannten Staunen und Freude keine Grenzen mehr!

Die tief greifenden Unterschiede zwischen Ost und West waren aufgehoben. Ein solches warmherziges Zusammengehörigkeitsgefühl in Freude und Dank hatte es seit Menschengedenken in Deutschland nicht gegeben! Wer diese Zeit zwischen dem 9. Oktober und dem 9. November 1989 miterlebte, wer diese Bilder sieht, der begreift, was es heißt: „GOTT, DU machst fröhlich was da lebet im Osten wie im Westen.“

 

Die Friedensgebete in der Nikolaikirche gingen und gehen ungebrochen weiter. Klar war: Kein System und keine Zeit darf heilig gesprochen werden. Stillehalten und Rückzug in die Nische waren auch jetzt nicht angesagt. Immer müssen die Systeme und Zeiten im Sinne JESU vermenschlicht werden, immer neu werden Glaubenshoffnung, Gerechtigkeitswille und

Mut zu notwendigen Veränderungen gebraucht. Einen Gesprächskreis „Hoffnung für Ausreisewillige“ brauchten wir schon im November 1989 nicht mehr. Einen Kreis „Hoffnung für Arbeitslose“ dafür um so mehr.

 

22 Jahre sind seit der Friedlichen Revolution ins Land gegangen, 21 Jahre besteht die deutsche Einheit.

Hätte man den Prozess der deutschen Einheit besser gestalten können, oder gab es zu Artikel 23 des Grundgesetzes, der den Beitritt vorsieht, keine Alternative?

Wäre mit einer neuen Verfassung, die der Artikel 146 des Grundgesetzes vorsieht, ein Neuanfang für das geeinte Deutschland möglich gewesen und der Prozess der Einheit verträglicher und gerechter verlaufen? Oder war zu all dem einfach keine Zeit?

Wäre es möglich gewesen, die Einheit juristisch festzustellen und einen 12-Jahres-Rahmen zur praktischen Gestaltung festzulegen? Die beiden Partner der Einheit waren zu ungleich für ein problemloses Zusammenwachsen. Neue, für alle Seiten neue, identitätsstiftende Symbole brauchte das geeinte Deutschland. Bei der Hauptstadtfrage ist es gelungen: Berlin wurde die neue Hauptstadt für das geeinte Deutschland. Bei der Namensgebung des ganzen Landes hatte man den Mut nicht. „BRD“ und „DDR“ sind Begriffe des geteilten Deutschlands und stehen jeweils für die Zeit von 1949 – 1989.

Günter Grass hätte gern den Namen „Bund deutscher Länder“. Denkbar ist auch anderes. Jedenfalls ein neuer Name für das eine, neue Deutschland.

Die Fahne kann bleiben. Sie wurde auch während der Teilung zum großen Teil von beiden Seiten benutzt und ist nicht vergangenheitsbeschädigt.

Was man von der Nationalhymne nach Hoffmann von Fallersleben nun ganz und gar nicht sagen kann. Die erste Strophe ist von den Nationalsozialisten für alle Zeiten geschändet.

Die zweite Strophe handelt von deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und deutschem Sang. Das kann es wohl auch nicht sein. Bleibt eben die dritte Strophe. Die dritte Strophe eines solchen Liedes als Nationalhymne? Wir hatten und haben in Deutschland genügend begabte Denker und Dichter, die eine neue Hymne schreiben können. Das neue, geeinte Deutschland hätte es verdient! Die Melodie aus dem Kaiserquartett von Joseph Haydn könnte dabei durchaus bleiben. Hatte doch Johannes R. Becher schon die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“ so geschrieben, dass man sie auf die Haydn-Melodie singen konnte. Und so könnte sich Ingo Graf das „Lied der deutschen Einheit“ vorstellen:

 

Das Lied der deutschen Einheit

1.                                           = BRD-Hymne, Hoffmann v. Fallersleben

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland.

Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand.

Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.

Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland.

Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland.

                                        2.                                         = DDR-Hymne, Johannes R. Becher

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt,

lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.

Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint.

Denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie,

dass die Sonne, dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint.

                                              3.                                    = B. Brecht

Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand,

dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land.

Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein,

von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein,

von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein.

 

So hätten wir wieder 3 Strophen.

 

Bleibt noch der Tag der Einheit, der Nationalfeiertag. Da gibt es ein hervorragenderes Datum, wie gesagt, den 9. Oktober, den Tag der Entscheidung, das Kerndatum der Friedlichen Revolution. Jahrelang ist in der alten Bundesrepublik der 17. Juni als Tag der deutschen Einheit begangen worden, der ja nun gerade nicht zur Einheit, sondern zum Mauerbau geführt hat!

Aber dieser 9. Oktober, in dem die Aktivitäten der Städte und Dörfer zusammenfließen, der zur Einheit Deutschlands ohne Krieg und Sieg dieses Mal führte, der kann es sein! Er erinnert an ein einmaliges Datum unserer Geschichte, auf das wir alle stolz sein können und das zugleich das Minderwertigkeitsgefühl des Ostens durch ein gesundes Selbstwertgefühl ersetzen kann. Mit diesen Änderungen würde mit der Zeit ein wirklich neues Wir-Gefühl entstehen und den Blick auf eine neue Zukunft richten.

Wäre das nicht das richtige Datum für einen Nationalfeiertag oder den Tag der Einheit?

Darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen! Zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution, 2014, sollte es soweit sein...

 

Aber natürlich gibt es auch das noch:

Je länger die DDR-Zeit zurückliegt, um so höher ist der Verklärungsquotient. Was ebenso für die gute alte Wirtschaftswunder-Zeit der BRD gilt.

Immer schon heißt es, und war immer schon falsch, früher sei alles besser gewesen. “Ja früher“, sagt Karl Valentin, „früher war alles besser. Früher ist sogar die Zukunft besser gewesen!“

Nein, mit „Ostalgie“ und „Westalgie“ ist kein Staat zu machen.

 

Dazu schleppen wir als schweres Erbe der DDR den Gewohnheitsatheismus mit uns herum und kranken immer noch an den Folgen eines 40jährigen Entmündigungsprozesses.

Aus der BRD lastet der Wohlstandsatheismus auf uns, der zur Tarnung noch einige christliche Flicken aufweist.

 

Der Leipziger Schriftsteller Reimann hat die Tätigkeit Honeckers und des Zentralkomitees beschrieben als „die mit Hingabe betriebene Abschaffung der Wirklichkeit“.

Der Komponist Hanns Eisler soll nach seiner Rückkehr aus dem Exil in die DDR gesagt haben: „Hier trügt alles, nur nicht der Schein.“

Darum sagen wir den DDR-Nostalgikern gegen Verklärung und Erblasten in Biermannscher Schärfe: „...Das gesicherte Dahinsiechen ist vorbei. Alles ist in Bewegung geraten, die lebenslangen Frührentner fangen an ranzuklotzen wie sonst nur am Wochenende auf der Datscha. Der chronische Bummelstreik ist beendet...“

Und den BRD-Verklärern ebenfalls mit Biermann: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

 

Klar ist: Gewohnheits- und Wohlstandsatheismus sind kein Motor für die Zukunft und erst recht keine Hilfe zur Bewältigung des täglichen Lebens. Wer den Glauben verloren hat, hat nichts gewonnen. Kein Wunder, dass so viele enttäuscht sind.

 

Tiefgreifende Änderungen im Wirtschaftsystem sind nötig. Die Demokratie braucht eine

gerechtere Wirtschaftsform als den Neoliberalismus mit den veralteten immer gleichen

Antworten einer vergehenden Epoche.

Die Banken- und Finanzkrise zeigt, dass dieses Finanz- und Wirtschaftssystem nicht zukunftsfähig ist, ja, dass sich die freie Marktwirtschaft gewissermaßen selbst entlarvt. Ihr gnadenloses Gesicht zeigt sich in permanenten Insolvenzen, Firmen- und Betriebspleiten und der Arbeitslosigkeit mit ihren Folgen.

Ja, nicht nur Firmen und Banken, ganze Länder in Europa gehen pleite und müssen mit gewaltigen Milliardensummen gestützt werden, dass nicht Europa selbst zusammenbricht.

Noch wird in den reichen Ländern mit gigantischen Neuverschuldungen und imaginären Geldsummen der Schein einer Lösung des Problems aufrechterhalten. Aber die Milliarden Hungernder, Unterdrückter, an ausbeuterischen ungerechten Strukturen Leidender stehen wie eine unheilvolle, dunkle, immer größer werdende Wolke über uns! Die Wurzelsünde des Globalkapitalismus, die Anstachelung der Gier, muss überwunden werden!

Schon dreieinhalb Jahrhunderte vor Karl Marx und 500 Jahre vor uns heute stellte Luther fest: Der Markt muss durch „Gesetz und Gewissen begrenzt“ sein und den Menschen dienen, nicht umgekehrt, sonst wird der Mensch zur Ware.

 

Teil 2 der Friedlichen Revolution steht uns also noch bevor.

Allerdings unter den erschwerten Bedingungen des Wohlstandes.

Wir haben darum eine Stiftung gegründet „Friedliche Revolution – wir gehen weiter“ und einen christlichen Initiativkreis: „Anders wachsen“.

Wir wollen die Friedliche Revolution nicht ins Museum stellen, sondern ihre wunderbare Erfahrung – Unmögliches im GEIST JESU der Gewaltlosigkeit möglich zu machen – für den 2. Teil der Friedlichen Revolution nutzen.

Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum.

Eine Wirtschaftsform der „solidarischen Ökonomie“ ist zu entwickeln, die die JESUS-Mentalität des Teilens praktiziert:

Teilen von Bildung, Arbeit, Einkommen und Wohlstand, in der der Mensch, nicht Geld und Profit, an erster Stelle steht.

 

Hören wir ausgesprochen oder unausgesprochen die Einwände von allen Seiten:

Unrealistisch. Geht alles nicht. Naiv. Weltfremd. Zur bestehenden Marktwirtschaft gibt es keine Alternative. „Alternativlos“ – war das nicht bereits das Unwort des Jahres 2010?

Ich höre das alles sehr gelassen.

Denn genau das haben wir vor dem 9. Oktober 1989 auch schon gehört:

„Ihr denkt doch nicht, dass ihr mit Euren Kerzen und Gebeten was ändern könnt?“

Wir nicht. Aber JESUS, DESSEN GEIST uns erfasst und entzündet, DESSEN „Kraft in den Schwachen mächtig ist.“ (2. Kor. 12,9)

Und es wurde möglich, was unmöglich war...

 

Seit Kain und Abel  wütet die Gewalt in der Welt, werden alle Probleme zuerst und zuletzt mit Gewalt „gelöst“. Aber nie ist das eine wirkliche Lösung, der Frieden kommt nicht mit Gewalt, gleich gar nicht mit aller Gewalt. JESUS hat mit der Macht der Gewaltlosigkeit, mit der Macht der Ohnmächtigen eine Alternative aufgezeigt – und wir haben 1989 erlebt, was das bedeuten kann, wir sind dabei gewesen. Lassen wir uns also nie wieder und von niemandem mehr einreden, es gäbe keine Alternative! Wenn wir das beherzigen, sind wir vor dem Schlimmsten im Leben bewahrt: vor Resignation und Hoffnungslosigkeit!

Nehmen wir sie mit in unser Leben, diese einzigartige Erfahrung der Friedlichen Revolution von 1989, die aus der Kirche kam.

Das Wunder der Friedlichen Revolution, das Wunder der Einheit ohne Krieg und Sieg aber lassen wir uns weder klein reden noch runterjammern, sondern würdigen es, wie Bundestagspräsident  Norbert Lammert  am 9. Oktober 2010  in der Nikolaikirche formulierte, „mit stillem Stolz und lautem Dank“.

 

Wenn sich viele heute trotzdem wie in einem Irrgarten der Resignation und Mutlosigkeit vorkommen und sich mit dem pausenlosen Ablaufen der immer gleichen Wege bereits freudlos zufrieden gegeben oder depressiv abgefunden haben – denken wir daran: Der Irrgarten ist oben offen!

Wir brauchen wieder den Aufblick!

Den Aufblick, um uns orientieren zu können!

Den Aufblick zu JESUS, dass wir nicht liegen bleiben und aufgeben. “Steht auf und fürchtet euch nicht“, so klar und hoffnungsvoll kann es JESUS sagen (Matth.177). Und wir bekommen wieder Mut und Hoffnung, dass wir wieder stehen können, dass wir widerstehen können, wie am 9. Oktober 1989.

 

Wir haben die Gnade GOTTES in einzigartiger Weise erfahren trotz allem, was das „Volk der Dichter und Denker“ an entsetzlichen Gräueln im vorigen Jahrhundert der Welt angetan hat, besonders dem Volk, aus dem JESUS geboren ist.

Lasst uns diese Gnade nicht verspielen, sondern nach vorn gerichtet nutzen:

Wir sollten uns aus dem steten Jammerton lösen, das Dankenswerte achten und die Missstände bekämpfen.

Und wenn uns Bedenken kommen – und uns Deutschen kommen immer Bedenken , wir sehen immer zuerst das Haar in der Suppe, und wenn wir keins sehen, dann schütteln wir so lange den Kopf, bis eins hineinfällt – wenn uns Bedenken kommen, was wir sollen und können oder nicht, dann denken wir daran – Martin Niemöller hat es formuliert:

„Wir haben nicht zu fragen,

wie viel wir uns zutrauen;

sondern wir werden gefragt,

ob wir GOTTES Wort zutrauen,

dass es GOTTES Wort ist

und tut, was es sagt.“

 

Vertrauen wagen .

Damit wir leben, damit wir weiter leben können!

 (Darauf sag’ ich jetzt mal: Amen.)                                                                                                             

Pfarrer em. C. Führer