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03.10.06 17:54 Alter: 11 yrs
Kategorie: Spirituelles

Gewaltfreiheit


"In Erkenntnis der Gewaltbereitschaft meines eigenen Herzens, aber im Vertrauen auf die Güte und die Gnade Gottes gelobe ich, die Gewaltfreiheit von Jesus zu praktizieren, der uns in der Bergpredigt gelehrt hat:

'Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne und Töchter eures Gottes im Himmel sein könnt.'

 Vor Gott dem Schöpfer und dem Heiligen Geist gelobe ich, in meinem Leben der Liebe und dem Beispiel von Jesus nachzufolgen

- indem ich nach Frieden in mir selbst strebe und  mich bemühe,   in meinem täglichen Leben ein Friedensstifter zu sein,

- indem ich lieber Leiden im Kampf um Gerechtigkeit auf mich   nehme als es anderen zuzufügen,

- indem ich mich weigere, angesichts von Provokation und Gewalt   zurückzuschlagen,

- indem ich an der Gewaltfreiheit der Zunge und des Herzens   festhalte,  

- indem ich gewissenhaft und einfach lebe, damit ich nicht andere   ihrer Lebenmöglichkeiten beraube oder der Schöpfung Schaden zufüge,

- indem ich mich aktiv dem Bösen widersetze und gewaltfrei daran   arbeite, Krieg und die Ursachen von Krieg aus meinem   eigenen Herzen und aus dem Antlitz der Erde zu tilgen.

Gott, ich vertraue deiner ausdauernden Liebe und glaube: So, wie Du mir die Gnade und die Sehnsucht gabst, dieses Versprechen zu leisten,  so wirst Du mir auch Gnade im Überfluss gewähren, um es zu erfüllen."    

Dieses Gelöbnis aus der amerikanischen Pax-Christi-Bewegung ist jetzt 25 Jahre alt. Einer seiner Autoren, der Jesuitenpater John Dear, der in New Mexico lebt, hat zum Jahreswechsel 2007 daran erinnert (www.fatherjohndear.org). Er schreibt dazu:  

"Vor 25 Jahren legten einige meiner Freunde und ich ein Gelübde für Gewaltfreiheit ab, so wie Gandhi es vor 100 Jahren getan hat [am 11. September 1906 in Johannisburg, Südafrika]. Nicht lange danach bat Pax Christi Eileen Egan und mich, einen Text für ein Gelübde zu entwerfen, das sie den Pax-Christi-Mitgliedern anbieten wollten als einen Weg, unser Leben dem Weg der Gewaltfreiheit des Evangeliums zu widmen. Seitdem haben zehntausende das Gelübde abgelegt.

Wenn ich an die Gewalttätigkeit, Armut, die Kriege und die Waffen in der Welt denke und mich gleichzeitig freue über den prachtvollen Schnee, der die hiesige Wüstengegend und die entfernten Berge bedeckt, dann bin ich voll Dankbarkeit für dieses Gelübde der Gewaltfreiheit und für die Reise, die es mir eröffnet hat. Ich bin gewiss nicht vollkommen gewaltfrei, aber ich bin auf dieser Reise geblieben, und je älter ich werde, desto mehr entdecke ich, dass es die spirituelle Reise selbst sein könnte, die am meisten zählt, weil sie den größten Segen enthält.

Ich glaube, dass Gandhi Recht hatte: Die einzige Lösung  für unsere persönliche, nationale und globale Gewalttätigkeit ist schöpferische liebende Gewaltfreiheit. Die größte Herausforderung, der wir uns als Individuen und als Gattung gegenübersehen, ist es, Menschen der schöpferischen Gewaltfreiheit zu werden, was bedeutet, dass wir von jetzt an gewaltfrei sein müssen zu unseren Ehepartnern, Kindern, Eltern, Verwandten, Nachbarn und zu jedem, dem wir begegnen, wie auch zu uns selbst, gewaltfrei in unserer Arbeit, gewaltfrei in unserer Sprache, gewaltfrei in unserer Politik, unseren Grundsätzen und Gesinnungen gegenüber der Menschheit und der Schöpfung selbst.

Diese Verpflichtung erfordert tägliche Meditation, andauerndes Studium, Lesen des Evangeliums, Aufbau der Gemeinde, wiederholtes Training und öffentliche Aktion. So oder so bedeutet es, den Gott des Friedens in das Zentrum unseres Lebens zu stellen, als das Ziel unserer Lebensreise, als das Maß von allem, was wir tun. Wenn wir uns immer und immer wieder vollständig hingeben können an den Gott des Friedens, dann werden wir uns auf dem Weg der Gewaltfreiheit befinden und zu Werkzeugen des Friedens werden. Dann wird Gewaltfreiheit eine Lebensweise, eine Reise des Friedens zu dem Gott des Friedens. ...

In dieser Zeit, wo wir das neue Jahr beginnen und wieder an unsere Arbeit gehen, um Krieg, Armut und Kernwaffen abzuschaffen, dachte ich daran, das ursprüngliche Pax-Christi-Gelübde für Gewaltfreiheit wieder anzubieten, als einen Weg, uns erneut dem gewaltfreien Jesus und seinem Leben der Liebe und des Friedens anzuvertrauen. Es passt gut in unsere lange Tradition feierlicher religiöser Gelübde, und es kann privat geleistet werden, in einer lokalen Friedensgemeinde oder in der Liturgie im Gemeindegottesdienst. Ihr könnt es  mit der Familie, mit Freunden, Mitarbeitern, Nachbarn und Gemeindemitgliedern teilen. Manche lesen es jeden Morgen, um sich daran zu erinnern, dass sie eingeladen sind, einen Weg der Gewaltfreiheit zu gehen.

Wenn dieses Gelübde ernst genommen wird, kann es uns auf einen neuen Kurs setzen, der uns unermesslichen Segen bringen wird, vielleicht sogar einen lebenslangen Einsatz für Frieden, Vergebung, Mitleiden und aushaltende Liebe, eine echte lebenslange Treue zu dem gewaltfreien Jesus."