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09.02.08 13:28 Alter: 10 yrs
Kategorie: Spirituelles

Father John Dear - Du sollst nicht töten

Gedanken von dem Friedensaktivisten Father John Dear aus Amerika zur Gewaltlosigkeit


Du sollst nicht töten

 

(Mt. 5, 19-26)

 

Letztes Wochenende sprachen Daniel Barrigan und ich auf einem

kirchlichen Treffen auf Block Island, Rhode Island, über diese

schwierigen Kriegszeiten. Eine 99 Jahre alte Frau namens Ira

stand auf und erzählte über ihren Enkel, der vorgehabt hatte, ins

Priesterseminar einzutreten, aber sich dann entschied, zu den

Marines zu gehen. Sie fragte ihn: "Wenn jemand dir den Befehl

gibt zu töten, wirst du diesem Befehl gehorchen?" Ja, sagte er.

"Aber hast du nicht vor, eines Tages ein Priester zu werden?"

Ja, sagte er wieder. "Nun, Jesus würde nie jemanden töten, und

er befiehlt dir, niemanden zu töten, egal aus welchem Grund.

 

Der Enkel war sprachlos. Aber er ist zu den Marines gegangen

und jetzt ist er im Irak. Sie schrieb ihm weiterhin Briefe

und drängte ihn, niemanden zu töten und gab ihm den Rat, sofort

auszutreten. "Ich habe mein ganzes Leben lang Kriege erlebt",

sagte sie, "aber ich kann dir sagen, dass der Krieg nie irgend

etwas gelöst hat. Krieg zerstört alles und macht alles schlimmer.

Wir müssen gegen die Kriege sein, unser ganzes restliches Leben

lang."

 

In unserem Evangelium von der Bergpredigt sagt uns Jesus:

"Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist:

'Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem

Gericht verfallen sein.' Ich aber sage euch: Jeder, der einem

Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.

Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt,

dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort

vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem

Bruder, dann komm und opfere deine Gabe."

 

Das Evangelium ist sehr klar. Wir haben zwei Wahlmöglichkeiten:

Wir können so sein wie die Schriftgelehrten und die Phasisäer

zu Jesu Lebzeiten, dieses große Gebot missachten und im Namen

Gottes töten, um unsere Macht und unser Prestige aufrechtzuerhalten:

wir können sein wie Bush, Cheney, Rumsfeld und ihre Generäle

und es ablehnen, uns zu versöhnen und Liebe zu zeigen; wir können

voll Wut und Ärger sein und das Töten von Tausenden und Millionen

von Leuten im Irak und anderswo unterstützen, um die Interessen der

USA und die Ölgesellschaften zu schützen. Oder aber wir können wie

die Heiligen und Märtyrer Jesus nachfolgen, uns weigern zu töten,

auf die Wurzeln der Gewalt in uns selbst aufmerksam sein, uns nicht

unserer Wut hingeben, denen vergeben, die uns verletzen, uns

versöhnen mit denen, die etwas gegen uns haben, unsere Feinde

lieben und göttliches Mitleiden praktizieren. 

 

Was wir damit zu tun versuchen ist einfach und zugleich schwierig;

es zieht kein Medieninteresse auf sich und wird von der Welt nicht

geschätzt. Wir versuchen dem gewaltfreien Jesus nachzufolgen. Wir

weigern uns nicht nur zu töten oder den Krieg zu unterstützen,

sondern wir versuchen auch auf die Wut und Gewalttätigkeit in uns

selbst zu achten, den Frieden Christi in unseren Herzen zu

bewahren durch Gebet und Vergebung, uns mit jedem zu versöhnen,

unsere Feinde zu lieben und sogar vollkommenes Mitgefühl mit allen

Wesen zu praktizieren, genau wie Jesus. Das ist die klügste Wahl,

die wir treffen können, das Beste, was wir tun können in unserem

Leben, die hilfreichste Art zu leben in diesen dunklen Zeiten.

 

Das Ziel des Lebens nach diesem Evangelium wird im Eröffnungsvers

beschrieben: dass unsere "Gerechtigkeit weit größer ist als die der

Schriftgelehrten und der Pharisäer". Wir müssen mit unserer

Gerechtigkeit auch die heutige Kultur der Pharisäer überwinden, die

Kriegsmacher unserer Tage - Bush, Cheney, Rumsfeld und ihre

Generäle, ebenso wie die  kriegmachende Kirche und ihre

militärischen Kirchenmänner, und so "in das Himmelreich kommen",

hier und jetzt, bei dieser Eucharistie und jeden Moment unseres

restlichen Lebens. Alles, was wir dafür tun müssen, ist in Frieden zu

leben, Widerstand zu leisten gegen die Kriege von Bush, Mitgefühl

zeigen gegenüber jedem und allen, Frieden zu halten mit allen Menschen

und dem gewaltfreien Jesus nachzufolgen.

 

 

10.06.04

 

www.fatherjohndear.org